Da ist sie hin, die Jugend....


Fünfzig ist das neue Dreißig. Sechzig das neue Vierzig. Grundsätzlich ist es eine gute Sache, dass wir länger fit und gesund bleiben. Die moderne Medizin und die Kosmetikindustrie unterstützen uns nach Kräften dabei. Auch persönlich können wir mit Sport und gesunder Ernährung dem drohenden Verfall einiges entgegen setzen.

Aber, was macht das mit unserer Psyche?

Der Druck so lange wie möglich gesund, schön und fit zu bleiben ist enorm. Pech für alle Frauen mit schwachem Bindegewebe, die schon in relativ frühen Jahren erfolglos gegen ihre Falten ankämpfen. Noch viel schlimmer trifft es all jene, die unverschuldet von einer schlimmen, vielleicht tödlichen Krankheit heimgesucht werden. Wohlmöglich sogar, obwohl sie absolut gesund gelebt haben.


Wer ab fünfzig alt und verbraucht aussieht, oder mit einer Krankheit kämpft, steht unter Generalverdacht. Was hat er oder sie falsch gemacht, ist die Frage, die sich nicht nur viele Freunde und Verwandte der Betroffenen stellen. Sie stellen sie leider auch den Betroffenen. Was nicht nur taktlos daher kommt, sondern die betroffene Person noch zusätzlich belasten kann.

Es ist jedoch ganz egal wie wir mit fünfzig oder sechzig aussehen. Unser Alter ist eine Tatsache. Es steht schwarz auf weiß in unserer Geburtsurkunde. Der Körper verändert sich, ob wir wollen oder nicht. Einige Hormone kommen uns abhanden, andere vermehren sich. Man fängt an Bilanz zu ziehen und sieht irgendwann zum ersten Mal die Endlichkeit des eigenen Lebens. Ich werde nie vergessen, wie ich mit Anfang fünfzig, bei einem leckeren Glas Wein auf der sonnigen Terrasse saß und den Abend genoß. Plötzlich, aus heiterem Himmel war der da, dieser Gedanke: Wenn alles gut geht habe ich noch dreißig solcher Sommer. Ich erschrak. Ich wollte das nicht denken, aber bekanntlich machen Gedanken ja was sie wollen.


Natürlich bin auch ich eitel. Wenn ich manchmal morgens mein Gesicht im Spiegel sehe, auf dem ich die ganze Nacht rumgelegen habe, freue ich mich über meine Altersweitsicht. Ohne Brille ist der Anblick nur halb so schlimm. Natürlich möchte ich auch noch lange einigermaßen gut aussehen, aber mehr und mehr halte ich es wie meine Oma: Hauptsache gesund und ohne Schmerzen. Das ist, neben Familie und Freunden, ein paar Interessen und der eigenen Lebensfreude, das Wichtigste im Leben.


Lassen Sie sich von niemandem sagen, wie Sie zu leben und wie Sie Ihrem Alter entsprechend auszusehen haben. Wer Sie nicht so liebt und akzeptiert wie Sie sind, egal mit wie vielen Falten und Kilos; egal wie krank oder gesund, der hat Sie nicht verdient. Ihre Lebensführung ist ganz alleine Ihre Sache, solange Sie niemandem damit schaden. Und wenn Sie sich selber schaden, ist das auch Ihre Sache.


PS.: Übrigens konnte ich schon häufig beobachten, dass eine verbissene, asketische und sehr eingeschränkte Lebensführung zum Wohle der Gesundheit häufiger zu Krankheiten führte, als ein ganz durchschnittlicher Lebensstil, in dem Genuss und Lebensfreude eine nicht unwesentliche Rolle spielen.

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