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Das Frauendilemma


Wissen Sie was ein Dilemma ist? Zur Erinnerung: Sie sind Weichensteller bei der Bahn. Ein Zug rast auf eine Gruppe von fünf Arbeitern zu. Sie könnten eine Weiche umlegen und den Zug auf ein Nebengleis leiten, allerdings befinden sich dort drei Arbeiter, alles junge Familienväter. Würden Sie die Weiche stellen?

Sie stecken in einem kaum zu lösenden Problem, denn keine Lösung ist wirklich schön. In einem genau solchen Dilemma stecken millionen von Frauen in unserem Land und das macht mich wütend, da es keine wirklich zufriedenstellende Lösung gibt.

Wenn Eva sich morgens von ihrem Mann und ihren beiden Kindern verabschiedet, hat sie - gefühlt - schon einen halben Arbeitstag hinter sich und ist heil froh, dass sie die Kinder nicht auch noch in Schule und Kindergarten abliefern muss. Das übernimmt ihr Mann, wenn er nicht auf Geschäftsreise ist.


Die Nacht war kurz, da der Kleine unter Bauchschmerzen litt. Nach dem Weckerklingeln, um halb sieben, muss alles schnell gehen. Kinder wecken, Frühstück und Brotdosen herrichten, Duschen, Zähneputzen, die Kinder und sich selber in einen vorzeigbaren Zustand versetzen und nebenbei die ToDo-Zettel im Kopf sortieren: Turnbeutel nicht vergessen und die zehn Euro für den Ausflug in den Ranzen stecken. Auf dem Weg zur Arbeit kann sie nicht einfach einen Hebel umlegen und auf Business stellen. Die Gedanken gehen weiter: Für Samstag brauche ich noch ein Geschenk, Bernd an seinen Zahnarzttermin erinnern, die Anzahlung für den Urlaub leisten und so weiter.

Sie hat nicht eine Familie und geht noch ein bisschen arbeiten. Sie ist die Projektmanagerin ihrer Familie, zuständig für alle großen und kleinen Prozesse, ohne die das Leben nicht funktionieren würde. *Patricia Cammarata schreibt auf ihrem Blog „dasnuf“ über die vielen kleinen, bis ganz großen Familienentscheidungen, die eine Frau täglich treffen muss. Würde man alle diese Tätigkeiten in einer Firma, als Jobprofil zusammenfassen, wäre das ein typischer, gut bezahlter Projektmanager-Job, bei dem Nacht- und Sonntagsarbeit sogar doppelt entlohnt würden.

Die Männer verstehen sich meistens als Ernährer und Zuträger. Ja, sie erledigen alles was von ihnen erwartet wird, aber nur wenn es erwartet und an sie in Auftrag gegeben wird. Erteilt sie dem Vater der Kinder den Auftrag neue Sportsachen für den Turnunterricht zu kaufen, kann sie das Thema noch nicht von ihrer Liste streichen, denn sie muss nachhalten ob der Auftrag ausgeführt wurde und sollten die Sachen nicht passen, hat sie den Ärger mit dem Umtausch. Will heißen, Männer machen im Haushalt und bei der Kinderbetreuung gerne Dienst nach Vorschrift. Mein Mann zum Beispiel, hätte am liebsten bebilderte Einkaufslisten, mit einer genauen Wegbeschreibung durch den Supermarkt, damit er beim Einkauf nicht zu viele der wertvollen, graue Zellen in Anspruch nehmen muss.

Die Frau, die ganz nebenbei alle sozialen Kontakte der Familie pflegt und ihn auch noch an den Geburtstag seiner Mutter erinnert, landet leicht im Mental Load, in der totalen Überforderung und darf sich dann noch anhören, dass sie ja NUR halbtags arbeitet. Die Anträge auf Mutter-Kind-Kuren steigen jährlich, weil immer mehr Frauen am Limit sind.

Und wie geht es den in Vollzeit arbeitenden Müttern? Diese müssen sich fremde Hilfe ins Haus holen, wenn nicht alles verlottern soll. Leider sind sie auch für die Auswahl, Einstellung, Kontrolle und Bezahlung der Haushaltshilfe zuständig. Sie denken an die kleine Aufmerksamkeit zu Weihnachten und stehen nicht selten dumm da, wenn die Hilfskraft durch Krankheit ausfällt.

Wo ist jetzt das Dilemma fragen Sie?

Eine Frau, die ihren Beruf liebt und auch nach der Geburt ihrer Kinder gerne weiter in Vollzeit arbeiten möchte, schafft das nur mit sehr viel Hilfe. Entweder einem Mann der seine Arbeitszeit reduziert, mit Großeltern in der Nähe, die gerne zur Verfügung stehen oder mit sehr viel teuer bezahlter Hilfe, denn der Tag hat nur vierundzwanzig Stunden. Das bisschen Zeit und Energie das ihr bleibt, möchte sie vielleicht in ihre Kinder investieren. Trotzdem bleibt wahrscheinlich etwas auf der Strecke.

Eine Frau, die mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen möchte und sich nicht vorstellen kann alle Aufgaben mit einer ganztägigen Arbeit bewältigen zu können, hat trotzdem eine Menge um die Ohren und bekommt als Lohn dafür später viel weniger Rente als ihr Mann und konnte vielleicht auch keine eigenen Rücklagen bilden. Sollte die Ehe auseinander gehen, wird sie selbst in Vollzeit nicht das Gehaltsniveau ihres vorherigen Familieneinkommens erreichen, denn sie wird wahrscheinlich nicht in einer leitenden Position sein. Wenn sie es überhaupt schafft mit zwei kleinen Kindern ganztägig zu arbeiten. Der Vater der Kinder geht weiter seiner Arbeit nach und hat evtl. mit dem Alltag der Kinder noch weniger zu tun als vorher. Wie der Gesetzgeber darauf kommt, dass eine Frau ganz locker ganztags, mit zwei kleineren Kindern arbeiten gehen kann, ist mir ein Rätsel. Besonders dann, wenn die Kinder nicht nach Plan funktionieren, vielleicht häufiger krank sind, oder Schwierigkeiten in der Schule haben.

Obwohl die Frau alles dafür macht, dass das Familienleben reibungslos und angenehm verläuft und zusätzlich einen Teil des Einkommens trägt, ist sie finanziell gesehen häufig die Dumme.

Besonders schlimm sieht die Situation der Frau aus, die sich ganz der Kindererziehung und dem Haushalt zuwendet, oder ihre Arbeitskraft in einen Familienbetrieb steckt. Ihre Rente wird nicht weiter erwähnenswert sein, sie kann kein eigenes Kapital ansparen und sieht sich zudem der Häme ihrer Artgenossinnen ausgesetzt, die sie nicht für voll nehmen. Eine meiner Tanten zog sieben Kinder groß und bewirtschaftete einen kleinen Hof in der Eifel. Ihre persönliche Rente betrug 99 Euro. Immerhin bekam sie, dafür das sie ihre Kühe abschaffte von der EU Milchgeld in Höhe von 600 Euro und 62% der Rente ihres verstorbenen Gatten, was auch nicht viel war, denn auch er war Bauer. Sollte die liebevolle Erziehung von sieben Kindern nicht mehr wert sein, als die Abschaffung von ein paar Kühen? Zum Glück trug die liebevolle Erziehung der Kinder dazu bei, dass sie sich nie finanzielle Sorgen machen musste, dann alle waren immer für sie da.


Ich spreche hier nur von Müttern, möchte aber auch alle Frauen erwähnen, die ihre Angehörigen pflegen und daher nur geringfügig oder gar nicht arbeiten können, denn die Situation ist sehr ähnlich. Häufig leben diese Frauen, für die Zeit der Pflege, von der Rente der zu Pflegenden mit und erhalten selber nur eine geringe Zuwendung vom Staat. Stirbt die Pflegeperson, finden sie häufig keine Arbeit mehr, weil sie zu lange raus sind. Immerhin können Pflegende einen Antrag auf Übernahme ihrer Rentenzahlungen durch die Krankenkasse beantragen.


Mein Vorschlag

Eine Frau die Kinder erzieht, sollte nicht gezwungen sein in Vollzeit zu arbeiten, oder sich in Abhängigkeit von ihrem Mann zu begeben, um ihren Lebensunterhalt sichern zu können. Hier ist der Staat und die Gesellschaft gefragt. Folgende Möglichkeiten halte ich für gut und gerecht:

Reduziert ein Elternteil seine Arbeitszeit aufgrund von Kindererziehung, sagen wir für einen Zeitraum von zehn Jahren, sollten die Rentenzahlungen für diesen Zeitraum von beiden Elternteilen zusammengelegt werden und die daraus resultierende Rentenzahlung im Alter durch zwei geteilt werden. Auch im Falle einer Scheidung und im Todesfall eines Elternteils. Hat also z.B. der Mann zehn Jahre lang sehr viel in seine Rentenkasse einbezahlt und die Frau aufgrund eine Teilzeitbeschäftigung nur wenig, werden beide Summen, als Grundlage für die Rente, zusammen gelegt und am Ende geteilt. Fällt ein Elternteil durch Tot oder Scheidung aus, sollte der Staat für einen Zeitraum von fünfzehn Jahren die Rente des Erziehungsberechtigten soweit aufstocken, dass sie einer Vollzeitstelle entsprechen.

Natürlich bleibt wie immer die Frage: Wer soll das bezahlen? Ich bin kein Finanzexperte, lese jedoch täglich über die Verschwendung hoher Summen staatlicher Gelder. Da ist bestimmt noch Luft nach oben.

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