Der kochende Mann


Nehmen wir einmal an, ich wäre als anonymer Alien von einem anderen Planeten in Deutschland unterwegs, um einmal zu schauen wie die Menschen hier leben. Besonders interessant finde ich ihre Behausungen. Da gibt es Wohnzimmer, Schlafzimmer, Kinderzimmer und Bad. Diese Räume sind selbsterklärend und ich habe ihren Sinn gleich verstanden. Dann gibt es noch eine Küche. In ihr wird gekocht und, je nach Größe, auch gegessen. Kapiert! Aber da ist noch eine Besonderheit. Montags bis Freitags sehe ich fast nur Frauen in der Küche stehen. Sie brutzeln schnell etwas möglichst gesundes zusammen, damit die hungrige Meute, die Kinder nach der Schule und der Mann am Abend was zu beißen haben. Das machen diese Frauen, ohne großes Tamtam, meistens nachdem sie schnell noch nach der Arbeit die benötigten Zutaten eingekauft haben.


Soweit so gut. Auch das habe verstanden. Essen ist wichtig bei den Menschen.


Aber da gibt es noch eine komische Sache. Vielleicht kann die mir mal jemand erklären? Häufig gibt es auf den Terrassen und Balkonen noch so ein Kochgerät. Man nennt es Grill. Immer häufiger sehe ich auch ganze Outdoor-Küchen. Auch das verstehe ich, draußen kochen ist bestimmt nett.


Aber warum stehen da nur die Männer, meistens mit großen, martialisch anmutenden Geräten in den Händen und einer Schürze um den Leib gebunden? Manchmal auch mit einer Bierflasche in der Hand. Der Schweiß tropft schonmal aufs Grillgut und die Sippe schaut erwartungsvoll zum Beherrscher des Feuers rüber, in der Hoffnung etwas von der Beute abzubekommen. Allerdings gibt er nur etwas ab, wenn die Sippe danach die richtigen Laute von sich gibt: "Boh, ist das lecker." "Genau auf den Punkt." "Geil, die fette Rippe."

Dann ruft der Mann Sätze in Richtung Innenküche, wie: "Wo bleibt die Kräuterbutter?" "Ist der Salat schon fertig?" Oder: "Bring mir mal die master-sir-buana BBQ Smoker Rub Gewürzmischung und das Afterburner White, Topping Salt mit."

Drinnen, in der Innenküche steht natürlich wieder die Frau. Sie macht Salate, backt das Brot auf und rührt Dips an. Hat vorher Freunde und Familie eingeladen, eingekauft, den Tisch gedeckt, die Getränke serviert. Bis auf das Bier. Das nehmen sich die anwesenden Männer gleich aus dem Kasten.


Nach reiflicher Überlegung habe ich mir folgende Erklärung zusammen gebastelt:

Wenn der Menschen-Mann was macht, dann draußen, sichtbar und nicht im dunklen Kämmerchen. Da sieht ihn ja keiner. Ein dickes, blutiges Stück rotes Fleisch sieht aus wie gerade, eigenhändig, aus dem Rindvieh geschnitten. Jagen und Erlegen von wilden Tieren ist schließlich seine Kernkompetenz. Das ist männlich. Am Grill gibt es keine Quotenregelung. Hier ist auch der DAX-Manager endlich sicher vor dem Weib. Das ist sein natürliches Refugium.


Und die Frau? Die nimmt es gelassen. Ein Stück Fleisch auf ein Feuer zu legen und nach einer Weile zu wenden ist nicht besonders schwierig. Da kann man fast nichts falsch machen. Das kann auch der Mann. Deshalb läßt sie ihn. Dreck und Gestank bleiben draußen und die Küche sauber.

Ihr Lohn ist ein zufriedener, glücklicher und selbstbewußter Mann am Abend.


Mein Fazit: Kochen bei den Menschen ist kompliziert und nicht so ganz gerecht verteilt. Aber wenn es sie glücklich macht, ist ja alles in Ordnung. Vielleicht sollten wir das auf meinem Planeten auch mal probieren.



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