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Eine Burka bereitet mir Unbehagen


Zur aktuellen Diskussion über das Burka-Verbot an Universitäten.


In unserem Viertel lebten Anfang der Siebziger viele Gastarbeiter und die erwachsenen Türkinnen trugen Kopftuch. Das dieses Kleidungsstück etwas religiöses bedeutet, kam mir nicht in den Sinn. Ich dachte, dass sei deren Mode. Über den langen Hosen trugen sie bunte Kleider, im Winter noch einen Mantel und eben als Krönung, ein buntes Kopftuch. Als Kind dachte ich, in der Türkei laufen alle Frauen so rum, weil das dort schick ist. Die türkischen Schülerinnen in meiner und den Parallelklassen trugen keine Kopftücher. Sie liefen, wie wir, in Jeans, Pulli und Parker rum. Soweit so normal.


Mit dreizehn wechselte ich die Schule, in deren Nachbarschaft eine streng gläubige, türkische Community lebte und begegnet eines Morgens einer Frau in einer Burka. Ich fiel fast vom Fahrrad. Was war das? Haben wir schon Karneval? Die arme Frau konnte doch nichts sehen und musste furchtbar schwitzen unter ihrer Verkleidung. Bekam sie überhaupt Luft? Neben ihr ging ein alter Mann mit langem Bart, in einer Art Kaftan gekleidet, der mit einem Perlenkettchen in der Hand herum fuchtelte und mich böse ansah. Ich wechselte schnell die Straßenseite.


Das waren Menschen aus einer anderen Welt. Vielleicht sogar aus einer anderen Galaxy? Mit der Türkei oder Muslime brachte ich sie nicht in Verbindung, denn die türkischen Jugendlichen, die ich kannte sahen aus wie wir und benahmen sich auch wie wir. Einmal fragte ich eine Türkin, ob sie die vermummten Leute schonmal gesehen hätte. Sie schüttelte nur mit dem Kopf und sagte: „Ja, das sind Spinner. Vergiss sie.“ Das tat ich.


Über zwanzig Jahre existierten die Begriffe „Kopftuch“ und „Moslem“ nicht in meinem Sprachgebrauch, denn es gab keine Verwendung dafür. Ich arbeitete sehr lange in einem internationalen Konzern und meine Kollegen kamen aus der ganzen Welt, sogar aus der ehemaligen DDR. Da gab es häufig eine größere kulturelle Diskrepanz als zwischen mir und meinen japanischen Kollegen. Ein paar türkische Kollegen und Kolleginnen gab es auch, genau so wie Spanier, Italiener, Franzosen, Engländer, Schweizer und Holländer (Entschuldigung: Niederländer). Ich verschwendete keinen Gedanken an die Nationalität eines Menschen. Für mich zählt bis heute die Persönlichkeit eines Menschen. Wo er oder sie herkommt ist mir völlig egal.


Aber auf einmal, Anfang der Nuller-Jahre waren sie überall, die Kopftücher aus religiöser Überzeugung und in allen Variationen. Ich sah Frauen in langen, dunklen Mänteln mit eleganten Kopftüchern die jedes Haar verbargen und Frauen in engen Jeans mit großem Ausschnitt, geschminkte wie für eine Fernsehshow, umrahmt von einem Kopftuch. Immer häufiger tauchten auch Frauen in einer Burka auf, also Gesichts-, Kontur- und Körperlose Wesen, bei denen ich nicht wußte ob sie mir leid tun, oder ich sie für verrückt erklären sollte. Ohne es genau erklären zu können, ist mir der Anblick einer vollkommen verschleierten Frau immer unangenehm.


Ich fragte nach und lernte, dass der Prophet den Frauen die Empfehlung gab ihre Reize ab dem Tag ihrer Geschlechtsreife, zum eigenen Schutz, zu verhüllen. Ein Tuch sollte ihr Haar, den Busen und nackte Arme bedecken. Die Beine sollten unter langen Röcken verschwinden.


Worum geht es genau bei der Verhüllung der Frauen?


Einfach ausgedrückt geht es darum, dass ein Mann seinen Trieb nicht beherrschen kann, sobald er Haare oder nackte Haut an einer Frau entdeckt. Dieser Trieb ist von Gott gegeben und es ist unmöglich vom Mann die Unterdrückung seiner gottgegebenen Triebe zu verlangen. Zeigt eine Frau Teile ihres Körpers und sei es auch nur ein kleines Stück Haut oder ein paar Strähnen ihrer Haare, kann sich der Mann dieser Provokation nicht entziehen. Wird die Frau daraufhin geschändet, ist sie es selber Schuld.


Allerdings frage ich mich, wie es die vielen muslimischen Männer im Westen schaffen durch einen einzigen deutschen Sommer zu kommen, ohne wegen Vergewaltigung im Knast zu landen? Könnte es sein, das der muslimische Mann doch nicht so ein triebgesteuertes Tier ist, das beim Anblick von Haaren der Macht seines Geschlechtsteils hilflos ausgeliefert ist?


Kann es sein, dass viele der bedeckten Frauen uns westlichen Schicksen ihre moralische Überlegenheit um die Ohren hauen wollen?


Oder kann die Mehrheit der muslimischen Frauen sich dem Gruppenzwang ihrer Peergroup nicht entziehen und braucht unsere Hilfe?


Die Wahrheit ist vielschichtig, liegt irgendwo dazwischen und läßt sich nicht mit ein paar Sätzen erklären.


Eine mögliche Lösung


Für mich liegt in der Rücksichtnahme und in gegenseitigem Respekt der Schlüssel zur Lösung. Fahre ich in ein muslimisch geprägtes Land, trage ich dort wo es sich für die Einheimischen gehört, ein Kopftuch. Das kostet mich genau so wenig, wie in einer Kirche auf kurze Hosen zu verzichten. In Japan ziehe ich an der Türschwelle Hausschuhe an und wechsle die Hausschuhe, wenn ich zur Toilette gehe, weil es sich dort so gehört.

Jede Gesellschaft hat ihre historisch gewachsenen Rituale, die demjenigen, der damit aufgewachsen ist, Vertrautheit und Sicherheit geben.


Hier in Deutschland ist es nicht üblich, das Frauen wie schwarze Gespenster rumlaufen. Ich empfinde diesen Anblick als ebenso unangenehm wie ein Muslim den Anblick einer Frau im Bikini abstoßend finden wird, die eine Moschee betritt. Neben einer ganzkörper verhüllten Frau in einer Vorlesung sitzen zu müssen, wäre mir zutiefst unangenehm. Die Frau ist friedlich, sie tut mir nichts und stört mich nicht bei meiner Arbeit, trotzdem fühle ich fast körperliches Unbehagen, bei dem Gedanken.

Für mich ist die Burka ein Zeichen von Unterdrückung, ein Gefängnis aus Stoff, deren Anblick mir die Luft zum atmen nimmt. Sie ist für mich Ausdruck männlicher Dominanz und ein starkes Zeichen zur Unterdrückung der Frau. Ich respektiere diese Werte notgedrungen in arabischen Ländern, aber nicht in Deutschland, wo sie gegen das Grundgesetz und die Gleichberechtigung verstoßen.

Es wäre schön, wenn unsere muslimischen Mitbürger uns den gleichen Respekt erweisen würden, den sie von uns einfordern und auf das Tragen einer Burka verzichten würden.


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