Haben Stimmungen seelische oder körperliche Ursachen?


Es ist halb sieben am Morgen und mir fällt in der Küche ein Glas aus der Hand und zerspringt in tausend Stücke. Toll, wenn ein Tag so anfängt und dann auch so weitergeht. An der Bushaltestelle streikt meine Ticket-App, im Bus finde ich meine Lesebrille nicht, mein Lieblingsbäcker hat geschlossen und beim ersten Gang auf die Toilette sehe ich einen Fleck auf meinem Shirt.

Jeder kennt solche Tage. Sie werden meistens nicht besser, obwohl eigentlich nichts Schlimmes passiert. Es scheint nur wie eine endlose Aneinanderreihung von Pannen. Die Laune ist für diesen Tag im Eimer. Das ist nicht schlimm und passiert nun wirklich jedem mal.

Die Frage ist, verhageln mir alle diese Dinge die Laune, oder ist meine Laune schon seit heute früh so mies, dass ich fahrig und unkonzentriert bin, Sachen vergesse und manches persönlich nehme, was mir sonst kaum auffallen würde?

Bei einem miesen Tag macht man sich noch keine Gedanken. Unangenehm wird es, wenn man über mehrere Tage, vielleicht sogar Wochen, ständig schlecht gelaunt ist. Wenn einem kaum noch etwas Freude macht, man sich häufig über andere aufregt und mit sich selber am wenigsten zufrieden ist. Häufig gesellt sich noch Müdigkeit und Abgeschlagenheit dazu, was sich zu einer depressiven Verstimmung auswachsen kann.

Früher suchte ich die Ursache für solche Perioden im Außen. Ich fragte mich: Stimmt etwas nicht? Liegt es am Job? Am Partner? Wo liegt der Hase im Pfeffer? Aber manchmal gibt es keinen offensichtlichen Grund den man greifen und bereinigen könnte. Besonders Frauen in der Lebensmitte, ab 45 erleben solche Perioden immer wieder. Schnell schiebt man die Angelegenheit auf zuviel Stress, zuwenig Schlaf oder eine ungesunde Ernährung, gepaart mit zu wenig Bewegung, wenn sich kein anderer Grund findet.

Häufig sind aber nicht unsere äußeren Lebensumstände schuld an unserer Stimmung, sondern Mangelerscheinungen. Unserem Körper fehlt etwas, z.B. Vitamine, oder er bekommt von etwas zuviel, z.B. Zucker und kommt mit der Verarbeitung nicht mehr nach. Um sich zur Wehr zu setzen wird der Körper nicht gleich eine schlimme Krankheit ausbrüten. Zunächst spart der Körper dort Ressourcen ein, wo sie nicht so dringend gebraucht werden. Im Gehirn zum Beispiel, oder in den Muskeln. Das kann dann dazu führen, dass man sich müde, schlapp und unkonzentriert fühlt. Alles Dinge die auf die Stimmung schlagen.

Was also tun, wenn man sich über einen längeren Zeitraum immer wieder schlecht fühlt und keinen offensichtlichen Grund dafür findet?

Vitamin D Mangel

Vitamin D wird hauptsächlich über die Haut, durch direkte Sonneneinstrahlung (UV-Licht) gebildet. Allerdings schafft es kaum ein Mensch während des normalen Alltags genug UV-Strahlung zu bekommen. Allenfalls im Sommerurlaub gelingt uns das, wenn wir unsere nackte Haut in die Sonne legen. Das funktioniert aber auch nur, wenn wir auf Sonnenschutz verzichten, was kaum jemand macht.

Von Oktober bis März ist es in unseren Breitengraden unmöglich genügend UV-Licht zu speichern. In den anderen Monaten muss man sich, je nach Hauttyp 10 bis 30 Minuten in die pralle Sonne leben, ohne UV-Schutz, leicht bekleidet, wenn man genügend Vitamin D produzieren möchte.

Zwei lange Hundespaziergänge, in normaler Kleidung, reichen also nicht aus.

Dazu kommt, dass die Fähigkeit der Haut Strahlung in Vitamin D aufzunehmen mit zunehmendem Alter stark sinkt. Mit 70 Jahren, produziert man nur noch 25% der Vitamins, gegenüber seinen jungen Jahren.

Fehlt es dem Körper an Vitamin D wird das Immunsystem schwächer, Knochen und Muskeln leiden und unsere Stimmung sinkt. Da wir heute nicht mehr von Frühjahr bis Herbst draußen auf dem Feld arbeiten, sondern zumeist in geschlossenen Räumen, ist es auch in der warmen Jahreszeit schwierig für den Körper ausreichend Vitamin D zu produzieren.

Alleine mit Lebensmitteln ist es auch unmöglich den Vitamin D Spiegel in die Höhe zu treiben. Vitamin D findet man hauptsächlich in Fisch, in manchen Fleischsorten, wie Kalb, in einigen Pilzen (Steinpilz) und in Eiern. Aber man müßte schon eine Menge davon essen um die fehlenden Sonnenstrahlen ausgleichen zu können.

Jeder Hausarzt kann einen Vitamin D Mangel im Blut leicht feststellen. Ein Überprüfung kann wirklich sehr hilfreich sein. Sollte Vitamin D Mangel die Ursache sein, wird man staunen wie schnell sich das Befinden nach Einnahme von Vitamin D Tabletten zum Besseren ändert.

Die Schilddrüse

Die Schilddrüse hat einen großen Einfluss auf unsere Psyche. Im Jahr 2018 konnten Wissenschaftler feststellen, dass eine Unterfunktion das Risiko an einer Depression zu erkranken um das dreifache steigert. Die von der Schilddrüse produzierten Hormone beeinflussen den Stoffwechsel, den Energiehaushalt und die Psyche.

Eine Unterfunktion macht träge, schlapp und müde. Man fühlt sich gleichzeitig erschöpft und angespannt. Der Energiehaushalt wird empfindlich gestört, die Leistungsfähigkeit lässt stark nach und die Psyche leidet unter der körperlichen Schwäche.

Der Psychiater Teja Wolfgang Grömer erkannte im Jahr 2015, nachdem er viele hundert Patienten mit Depressionen behandelt hatte, einen Zusammenhang zwischen Depressionen und Angstzuständen und einer Schilddrüsenunterfunktion. Er geht davon aus, dass 30 - 40% der an Depressionen erkrankten Patienten gleichzeitig an einer Fehlfunktion der Schilddrüse leiden.

Auch hier bringt ein Gang zum Arzt schnell Klarheit.

Ich kenne einige Menschen die sich Wochen und Monate mit depressiven Verstimmungen, Müdigkeit und zunehmender Antriebslosigkeit plagten, bis sie endlich den Weg zum Arzt fanden. In beiden Fällen, sowohl bei Vitamin D Mangel, als auch bei einer Schilddrüsenunterfunktion lösten sich die Probleme durch die richtigen Medikament in kurzer Zeit in Luft auf. Energie und Lebensfreude kamen zurück.

In beiden Fällen kann ich aus eigener Erfahrung sprechen. Mit Mitte vierzig fühlte ich mich sehr müde und abgeschlagen. Ich führte das auf meine Lebensumstände, Arbeit und Kinder zurück. Wegen eines Bandscheibenvorfalls musste ich damals in ein CT. Dabei erkannte die Ärztin nicht nur meine defekte Bandscheibe, sondern auch, das meine Schilddrüse vergrößert war und riet mir dringend einen Facharzt aufzusuchen. Ich wurde medikamentös eingestellt und meine Beschwerden verschwanden sehr schnell.

Mit dem Beginn der Wechseljahre litt ich unter starken Stimmungsschwankungen. Mein Selbstbewusstsein sank in den Keller. Ich fühlte mich schlapp, antriebslos, hatte ständig schlechte Laune und meine Welt war vorwiegend grau. Hormone wollte ich nicht nehmen. Mein Arzt empfahl mir Vitamin D und seit dem ist die Welt - also meine kleine Welt - wieder in Ordnung.

Ernährung

Instinktiv wissen wir alle, wann wir uns nicht ausgewogen genug ernähren. Dabei geht es nicht um Verzicht. Meines Erachtens kann man alles essen, von Ananas bis Zwetschgentorte. Auf die Menge und das Verhältnis zueinander kommt es an.

Fast jeder von uns schlägt im Urlaub über die Stränge. Das Buffet ist zu verlockend, der Wein köstlich und überhaupt möchte man sich doch was gönnen. Das ist vollkommen in Ordnung, wenn man nach dem Urlaub mal wieder etwas kürzer tritt. Damit rate ich nicht zur strengen Diät, sondern nur dazu mal für eine Weile den gesunden Lebensmitteln den Vortritt zu geben.

Nehmen wir mal den „bösen“ Zucker. Er wird ja schon ziemlich verteufelt. Auch hier kommt es auf die Menge an. Meistens merkt man selber wo die eigenen Grenzen liegen. Eine Freundin von mir wird immer sehr zickig und übellaunig, wenn sie zuviel Zucker gegessen hat. Das merkt sie mittlerweile recht schnell und tritt dann auf die Bremse. Bei mir sprießen die Pickel, wenn ich es mit dem Zucker übertreibe und ich werde schlapp und träge.

Ich halte nichts von strengen Vorschriften alla: 5 Portionen Obst und Gemüse am Tag. Das ist mir zu streng und ich kenne niemanden der sich daran hält. Auch kleine Schritte können schon eine große Wirkung erzielen. Zu allen warmen Mahlzeiten versuche ich mir Gemüse unterzujubeln. Die Bolognese wird mit Karotten verlängert, in die Sahnsauce für die Nudeln kommt Spinat usw, die Portionen von Beilagen wie Nudeln und Reis werden kleiner als die Gemüse-, Fleisch- oder Fisch-Portionen. Und Süßigkeiten die ich nicht zu Hause habe, kann ich auch nicht essen.

Fazit: Nicht immer ist das Leben an unseren Stimmungen und Befindlichkeiten schuld. Manchmal meldet sich der Körper mit seinen Bedürfnissen und möchte beachtet werden. Hören Sie immer mal wieder auf ihren Körper und scheuen Sie sich nicht Hilfe von Außen in Anspruch zu nehmen.


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