Hundeglück


Der Hund ist der beste Freund des Menschen, behauptet der Mensch. Ob meine Malteserhündin Susi das genauso sieht, wage ich zu bezweifeln. Wissen kann ich es nicht, denn sie kann nicht sprechen und das ist unser größtes Problem.

Wie habe ich mich gefreut, als das Kind seine Bedürfnisse endlich auch mit Worten ausdrücken konnte. „Hamham“, für Hunger, „Aua“, für Schmerzen, „Will nicht“, für alles Andere. Der Hund kann nur fiepsen, bellen, wedeln und einen mit großen Augen ansehen. Nach zwölf gemeinsamen Jahren, läßt sich daraus zwar einiges schließen, aber leider noch viel zu wenig und so muss Frauchen Detektivarbeit leisten.


Seit einiger Zeit hat der Hund Rücken. Kein Wunder bei 84 Hundejahren. An schlechten Tagen sieht man es an ihrem lahmen Gang und dass sie weder aufs Sofa, noch aufs Bett springen will. (Jaja, die Hund-auf-Bett-Diskussion verschieben wir auf einen anderen Zeitpunkt.) Nun liegt sie aber wahnsinnig gerne auf dem Bett, zu jeder Tages- und Nachzeit. In letzter Zeit halten ihre Rückschmerzen sie von ihrem geliebten Schlafplatz ab, denn sie schafft den Sprung einfach nicht mehr, was dazu führt, dass sie abends so lange piepsend vor mir steht, bis ich sie hoch hebe.

Was ich bisher nicht wußte, der Hund unternimmt nachts kleine Expeditionen. Meistens legt sie sich eine Weile ans Fenster und kontrolliert die Lage vor dem Haus, oder sie legt sich im Bad auf die kühlen Kacheln. (Haben Hunde auch Hitzewallungen?) Dann schaut sie bei meiner Tochter im Zimmer vorbei und gegen Morgen kommt sie wieder ins Bett. Das heißt, sie würde gerne wieder ins Bett kommen, schafft es aber nicht. Anstatt sich nun ein anderes, gemütliches Plätzchen zu suchen, versucht sie einen der rumliegenden Menschen zu wecken. Am Anfang wußte niemand was sie wollte, wenn sie piepsend vor dem Bett stand. Früher war das ein Zeichen dafür, dass sie mal eben für ein dringendes Geschäft in den Garten musste. Da wollte sie aber in letzter Zeit nicht hin. Stattdessen stellte sie sich so lange piepsend vors Bett bis ein genervter, verschlafner Mensch sie hochhob.

So konnte das nicht weitergehen. Ich platzierte ein paar Kissen vor dem Bett, die sie als Sprunghilfe nehmen konnte. Sie machte eine Bogen um die Kissen. Ich stellte eine Kiste neben das Bett, die sie als Treppe nutzen konnte, versuchte mit ihr den Aufstieg zu üben und erntete verständnislose Hundeblicke.

Gestern kam dann endlich der Durchbruch. Meine Tochter holte ein altes Regalbrett aus dem Keller, befestigte es am Bettrand, überzog es mit einem alten Badetuch und präsentierte Fräulein Susi ihr Werk. Susi schaute, schnüffelte und spazierte majestätisch die Rampe zu ihrem Schlafplatz hinauf. Geschafft, unsere Nachtruhe ist wieder hergestellt, mein Schlafzimmer ist dafür allerdings verschandelt, aber was tut man nicht alles um sich die Freundschaft des Hundes zu erhalten.

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