Kann man den eigenen Gedanken trauen? Vorsicht vor dem Troll in uns.



Sich mit seinen Ängsten und Sorgen einem anderen Menschen anzuvertrauen ist eine Herausforderung. Man wendet sich damit höchstens an seine wirklich engsten Vertrauten. Mal abgesehen von den Leuten, die einem ständig mit ihren Dramen ein Ohr abkauen. Aber auch diese Menschen halten mit ihren wirklichen Sorgen meistens hinter dem Berg.

Der sicherste Weg erscheint daher, ersteinmal das eigene Gehirn zu befragen. Schließlich kann man sich selber doch zu 100% vertrauen.


Ist das wirklich so?


Henning leidet unter fürchterlicher Prüfungsangst und steht gerade vor einer wichtigen Prüfung zum Abschluss seines Studiums. Seine Angst ist objektiv gesehen unbegründet, denn er ist auf jede Prüfung optimal vorbereitet und hat, weder in der Schule noch während des Studiums bei einer Prüfung schlecht abgeschnitten. Nur ein einziges Mal, in der zehnten Klasse, hat er in seinen Augen eine Klausur verhauen. Statt einer Eins wurde es nur eine Dreiminus. Auch seinen Führerschein bestand er beim ersten Versuch, sowie alle anderen kleineren und größeren Prüfungen in den letzten Jahren.

Trotzdem sitzt Henning alleine und völlig verzweifelt am Abend vor der Prüfung an seinem Schreibtisch. Seine Gedanken sagen ihm: Du bist nicht gut genug vorbereitet. Du bist zu blöd dafür. Denk an die Klausur in der Zehn, die hast du auch verbockt.

Diesen inneren Dialog könnte man noch lange fortsetzen. Hennings innerer Kritiker ist ein echtes Mistvieh. Ja, dieser Kritiker bewahrt ihn davor allzu leichtfertig durchs Leben zu gehen, nimmt ihm aber auch eine Menge Lebensfreude. Raubt ihm Energie und läßt ihn schier verzweifeln.

Würde er sich seinem besten Freund, oder seiner Mutter anvertrauen und über seine Angst sprechen, könnten beide ihn mit realen Fakten konfrontieren, die er selber nicht zuläßt. Sie würden ihm sagen, dass er bisher alle Prüfungen in seinem Leben hervorragend gemeistert hat und dass er ein kluger und bedachter Kopf ist. Seine Mutter würde ihm wahrscheinlich etwas kochen und sein Freund mit ihm noch ein Bier trinken. Beides zusammen genommen, gewürzt mit Aufmunterung und Zuspruch, könnten zwar die Prüfungsangst nicht ganz vertreiben, aber die Situation wesentlich angenehmer gestalten und ihn entspannter in die Prüfung gehen lassen.


Diesen fiesen inneren Kritiker kennen wir alle. Kaum traut sich ein abenteuerlicher Gedanke, z.B. eine Weltreise oder einen Tauchschein zu machen, aus seinem Versteck, steht der Troll bereit und um die schöne Vorstellung sofort im Keim zu ersticken.


Genau aus diesem Grund trinkt Susanne abends gerne ein Glas Wein, oder zwei. Der Alkohol lässt sie träumen, ohne das der innere Kritiker gleich zuschlägt. Sie kann dann in Gedanken die tollsten Abenteuer bestehen, sich eine Selbstständigkeit vorstellen, oder sich in den schönsten Bildern ausmalen wie sie ihrem Chef, oder ihrer Schwiegermutter mal so richtig die Meinung geigt. Leider verpuffen all diese netten Überlegungen am nächsten Morgen, wenn der Kritiker wieder hell wach und Herr seiner Dinge ist.


Dabei meint der Troll es nicht böse. Er möchte uns schützen. Er ist ein Gewohnheitstier. Er hat es gerne gemütlich und bequem, ohne Aufregung und Ärger. In Ihrem Buch: Glaub nicht alles, was du denkst: Wie du deine Denkfehler entlarvst und endlich freie Entscheidungen triffst, stellt uns Alexandra Reinwarth ihren eigenen, ganz persönlichen Kritiker vor und erzählt sehr launig, wie man den eigenen, negativen Gedanken ein Schnippchen schlagen kann.


Es ist also nicht immer gut alles mit sich alleine ausmachen zu wollen. Manchmal braucht es eine äußere Sicht auf uns, von lieben Menschen, die mutig genug sind unserem inneren Kritiker mal ordentlich die Meinung zu sagen.


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