© 2019 Walk & Talk Coaching - Köln-Junkersdorf - Impressum - Datenschutz

Mal eben geht nichts! Gewohnheiten ändern, aber wie?

Aktualisiert: Jan 7



Warum schaffe ich es nicht meine Ernährung dauerhaft umzustellen? Rita nahm damit letztes Jahr über fünfzehn Kilo ab. Sie trotzt vor Gesundheit und fühlt sich stark und fit.


Auch mein gefühlt zehnter Versuch mit dem Rauchen aufzuhören scheiterte erst kürzlich. Dabei sitze ich im Büro neben Fred. Bei ihm klappte es gleich beim ersten Mal. Ein paar Tage ging es ihm nicht so gut, aber dann war alles in Butter. Heute lächelt er milde über jeden Raucher, wenn er gelegentlich an der zugigen Raucherecke vorbei kommt.


Und was ist mit Sport? Es ist ein Desaster. Jeden Morgen sehe ich zwei Nachbarinnen aus der Parallelstrasse, munter schwatzend, an unserem Küchenfenster vorbei joggen. Die machen auch bei jedem Lauf hier in der Gegend mit und sind, selbstverständlich, super schlank. Ich schaffe es dagegen gerade einmal mit dem Hund um den Block zu schleichen.


Bin ich ein disziplinloser Versager? Habe ich kein Durchhaltevermögen, oder bin ich einfach nur zu faul und zu schwach?


Das denken wohl sehr viele Menschen von sich. Dabei ist der Grund sehr simpel, denn der Mensch ist ein Gewohnheitstier und wir Außenstehende kennen selten die ganze Wahrheit hinter den Erfolgsgeschichten.

Das Gehirn kann ohne Gewohnheiten, oder besser gesagt, ohne Automatismen nicht leben. Es wäre ja schrecklich, müßten wir jeden Morgen beim Zähneputzen oder Kaffee aufsetzen neu angelernt werden. Was das Gehirn einmal kann, verteidigt es mit Stolz. Es sagt: Ich kann was so gut, dass ich es nicht mehr üben muss. Das ist cool. Das funktioniert. Warum soll ich mich weiter anstrengen. Um eine alte Gewohnheit zu ändern, müssen wir dem Gehirn eine neue Gewohnheit beibringen und das dauert. Optimisten sprechen von 21 Tagen, realistischer sind drei bis vier Monate. Abhängig vom Ausmaß der Gewohnheit die geändert werden soll. Morgens einfach einen anderen Weg zur Arbeit fahren, ist schnell verinnerlicht. Die über Jahrzehnte erlernten Ernährungsgewohnheiten brauchen da schon etwas länger um in neuen Bahnen zu laufen.


Warum aber schaffen das Andere scheinbar so mühelos und wir scheitern ein ums andere Mal? Weil wir nicht die ganze Wahrheit kennen. Rita vergaß nämlich ihre zahllosen und erfolglosen Diäten zu erwähnen. Ebensowenig erzählte sie, dass sie sich bei einem Online-Coachingprogramm zur Ernährungsumstellung im Internet angemeldet hat und dafür monatlich 89 Euro bezahlt. Das sie auf Amazon kein Buch zum Thema mehr bestellen konnte, weil sie alle schon kannte und die Selbsthilfegruppe der DAK, die sie lange Zeit wöchentlich besuchte, erwähnte sie ebenfalls nicht.

Fragt man ihre Kollegen bei der Versicherung, für die sie arbeitet, wüßten die zu berichten, dass Rita mindestens drei Monate nur Dienst nach Vorschrift machte, da sie sich dauernd mit Ernährungstabellen, Nährwerten und Einkaufslisten beschäftigte. Kam man an ihrem Arbeitsplatz vorbei, war garantiert eine Ernährungsseite auf ihrem Bildschirm zu sehen. Häufig ging sie auch früher oder kam später, weil sie nun nicht mehr in ihrem Stammsupermarkt, sondern auf dem Markt oder im Bioladen einkaufte.


Rita hatte genug von ihrer Figur, ihrer schlechten körperlichen Verfassung und von den ewigen Diäten. Sie wollte es wissen und hat sich über einen Zeitraum von mehr als drei Monaten hauptsächlich ihrem Projekt „Gesünder leben“ verschrieben. Nach drei Monaten begriff ihr Gehirn, dass es kein Zurück in die alten Gewohnheiten mehr gab. Es gewöhnte sich langsam an Ritas neues Einkaufs- und Essverhalten, bis die alten Gewohnheiten, wie bei einem Computerprogramm, überschrieben waren. Nach und nach nahm Rita wieder ihr altes Leben auf und arbeitete ihr Rückstände ab. Sie hatte nun alle Informationen, die sie benötigte gesammelt und genügend Nahrungsmittel und Rezepte ausprobiert um zu wissen wie es funktioniert. Ihr Geschenk an sich war Zeit. Zeit, ein ihr wichtiges Projekt nachhaltig in ihr Leben zu integrieren.


Sich am ersten Januar vorzunehmen, die eigene Ernährung dauerhaft umzustellen, ohne Hilfe, Zeit und Informationen ist dagegen eine Todgeburt.


Was nun Fred betrifft, wußte ich nicht, dass er drei Monate lang Nikotinpflaster klebte und zusätzlich eine Menge Nikotinkaugummis konsumierte. Die Tüte Gummibärchen sah ich genauso wenig wie die halbe Flasche Rotwein am Abend. Klar, er war ein bisschen auseinander gegangen. Aber passierte das nicht allen Ex-Rauchern?

Seine Frau erzählte allerdings in fröhlicher Runde, dass sie ihn nach acht Wochen vor die Wahl stellte: Entweder er reisse sich jetzt mal zusammen, schluckte seine dauerhaft schlechte Laune herunter, oder er solle wieder mit dem Rauchen anfangen. Anderenfalls sei sie weg. Ihr war ein fröhlicher Raucher allemal lieber als ein hysterischer Nichtraucher. Auf der Arbeit merkte man nichts davon. Seine geballte schlechte Laune ließ er wohl am Abend, zu Hause aus dem Stall.

Auch Fred hat nicht „mal eben“ mit dem Rauchen aufgehört. Es war ein Prozess. Ein Schwieriger sogar. Er hat gekämpft, genau wie Rita, viel Literatur zum Thema verschlungen, seine Sucht zeitweise mit Süßem und Alkohol kompensiert und fast seine Frau aus dem Haus vertrieben. Erst nach einem Jahr war er wirklich darüber hinweg. Komisch, das hat er gar nicht erzählt.


Möchte man etwas wichtiges in seinem Leben ändern, sind drei Dinge unabdingbar:

  1. Eine gute Vorbereitung, Recherchen zum Thema und wo man ggf. Hilfe erhalten kann.

  2. Eine möglichst stressfreie Zeit, ohne große Projekte. Am besten startet man in einem Urlaub um sich ganz auf die ersten, schwierigsten Schritte konzentrieren zu können.

  3. Geduld. Rückschläge in Kauf nehmen, ohne gleich aufzugeben und Schwierigkeiten einkalkulieren.


Eine festsitzende Gewohnheit zu ändern, ist kein Sonntagsausflug. Das erfordert Mut, Arbeit und Zeit. Zeit für sich selber. Zeit die man sich bewußt für sich und sein Projekt nimmt. Zeit, die wir uns häufig nicht gönnen, da wir meinen, dass geht doch mal so eben. Und weil wir bei anderen nur die Fassade sehen, das Endergebnis, aber nur selten das, was wirklich dahinter steckt.

Dabei ist es eher wie nach einem Unfall, bei dem man sich das Bein gebrochen hat. Ist es endlich verheilt, müssen wir neu lernen damit zu laufen. Das geht auch nicht an einem Tag. Aber es wird von Tag zu Tag einfacher und irgendwann denke wir nicht mehr darüber nach. So ist es auch mit der Änderung der Gewohnheiten.


Übrigens, die beiden Joggerinnen waren in ihrer Jugend bei Leistungssportlerinnen. Für sie ist Sport ein fester Bestandteil ihrer Gewohnheiten, seit frühester Jugend. Ihnen würde es sehr schwer fallen, dürften sie plötzlich keinen Sport mehr ausüben. Damit wären ihre Gewohnheiten vollkommen auf den Kopf gestellt.

4 Ansichten