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Wann soll man sich entschuldigen?

Aktualisiert: 2. Sept 2019



Die Entschuldigung gehört zu unserer Kultur und ist wichtig, richtig und höflich. Sie ist ein wichtiger Baustein unseres sozialen Friedens. Aber ist sie immer Sinnvoll?

Habe ich einer anderen Person geschadet oder etwas falsches gesagt, ist eine Entschuldigung immer angebracht.

Es gibt aber auch die vorweggenommene Entschuldigung. Entweder aus Unsicherheit oder aus Kalkül geäußert und diese kann das Miteinander manchmal anstrengend machen.


Die Entschuldigung aus Unsicherheit:

Man ist neu am Arbeitsplatz, unsicher, alles ist fremd. Natürlich weiß man noch nicht wie der Hase in der neuen Umgebung läuft. Fehler sind fast unvermeidlich. Das ist nicht schlimm. Wir lernen. Meistens kommt auch sehr schnell eine neue Kollegin, oder ein Kollege und sagt Sätze wie: "Wir machen das hier immer so und so..."

Leicht kommt dann folgende Antwort über die Lippen: "Oh, das tut mir leid. Das konnte ich noch nicht wissen, ich bin ja neu. Es kommt natürlich nicht wieder vor."

Eine klassische, vorweggenommene Entschuldigung, die nicht nötig war. Die alternative Antwort könnte lauten: "Vielen Dank für die Information. Das ist wirklich nett von Ihnen. Ich werde es mir merken."

Wo liegt der entscheidende Unterschied zwischen den beiden Sätzen?

Mit dem ersten Satz macht man sich klein. Man wirft sich, bildlich gesprochen, in den Staub. Die weniger netten Zeitgenossen ermutigt ein solcher Satz weiter in die Kerbe zu hauen und Sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf ihre Fehler aufmerksam zu machen. Das führt selten zu einer guten Arbeitsatmosphäre.

Mit dem zweiten Satz signalisieren Sie Höflichkeit, gute Manieren, guten Willen und Dankbarkeit, ohne Ihre Haltung zu verlieren. Sie machen sich nicht klein und halten eine angemessene Distanz zu einem Menschen, den Sie noch nicht kennen. Eine sehr gute Voraussetzung für ein kollegiales Miteinander.


Die Entschuldigung aus Kalkül:

Es gibt Menschen die werfen sich vor Ihnen in den Staub, erregen ihr Mitleid, sind unterwürfig und lassen Sie doch am Ende ratlos und häufig wütend zurück.

Das passiert, wenn sich jemand wiederholt bei Ihnen für etwas entschuldigt, das Ihnen Unannehmlichkeiten verursacht und dem sich Entschuldigenden einen Vorteil bringt.

"Du, es tut mir wahnsinnig leid, aber könntest du bitte die Unterlagen für die Präsentation morgen noch ausdrucken. Ich weiß, es ist meine Aufgabe, aber meine Katze hat Durchfall und ich muss heute früher nach Hause."

Oder der Klassiker: Sie sitzen seit einer halben Stunde in einem Lokal und warten auf Ihre Verabredung. Sie wollen gerade gehen, als die Person wortreich auf sie zukommt: "Wartest du schon lang? Das tut mir so leid, aber meine Mutter rief noch an (....), ich konnte meine Schuhe nicht finden und mein Wagen war so weit vom Haus weg geparkt."

Von diesen Beispielen könnte ich noch eine Menge aufschreiben. Es sind Ego-Entschuldigungen. Leute die so handeln, machen sich nicht wirklich Gedanken um Sie. Hier empfiehlt es sich, NICHT gute Mine zum bösen Spiel zu machen, sondern - wenn so etwas häufiger vorkommt - klare Worte zu äußern, z.B.: "Ja, ich warte seit einer halben Stunde und wollte gerade gehen. Ich finde das nicht nett von dir mich warten zu lassen. Das nächste mal gehe ich nach 15 Minuten, wenn du dich nicht meldest."

Der Kollegin könnte man sagen: "Oh, das mit deiner Katze tut mir leid, aber ich muss jetzt auch ganz dringend weg. Bin schon auf dem Sprung. Das tut mir leid."


Es ist also weder notwendig sich für etwas zu entschuldigen, was noch keiner Entschuldigung bedarf, noch muss man jede Entschuldigung akzeptieren. Besonders dann nicht, wenn sie lediglich dem persönlichen Vorteil einer anderen Person gilt.


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