© 2019 Walk & Talk Coaching - Köln-Junkersdorf - Impressum - Datenschutz

Was Sie schon immer über Neid wissen wollten....

Aktualisiert: Jan 16


…und wie man damit umgehen kann.


Manchmal trifft es uns unverhofft, mitten im Alltag, ohne das wir es erklären können. Von einer Sekunde auf die andere fühlen wir uns leer, schwach, matt und möchten uns am liebsten die Decke über den Kopf ziehen. Es fühlt sich an wie ein unverhoffter Tritt in den Magen und schmerzt genau so, nur eben seelisch, statt körperlich. Fast alle Menschen kennen dieses Gefühl ab und an und fragen sich verwundert: Was ist denn jetzt mit mir los?

Häufig hat es mit einer sehr unbeliebten Eigenschaft zu tun, mit Neid. Keiner will ihn haben und noch viel weniger davon betroffen sein. Doch dieses oben beschriebene Gefühl erfasst uns dann und wann sowohl als Neider als auch als Neidverursacher.

Arten des Neids

Machen wir uns nichts vor, das gemeine Gefühl steckt mehr oder weniger in uns allen und ist im internationalen Vergleich in Deutschlang häufiger verbreitet, als z.B. in den USA. Ein Grund mehr sich dieses Gefühl einmal näher anzusehen.

Angst haben wir alle vor dem rachsüchtigen Neid. Den wollen wir weder spüren, noch in dessen Fokus geraten. Er ist die radikalste Form des Neids. Hier gönnt ein Mensch einem anderen nicht die Butter auf dem Brot und noch viel schlimmer, er wünscht dem beneideten Menschen, dass die Butter vergiftet sein soll, damit er möglichst keinen Genuss daran hat. Die meisten Menschen verbieten sich, aufgrund ihrer Erziehung, solche Gefühle. Manche gestatten sie sich, lassen sich jedoch nichts anmerken. Gefährlich wird es erst, wenn ein rachsüchtiger Neider zur Tat schreitet, da er nur so glaubt sich besser fühlen und seinen Schmerz lindern zu können. Leider wird diese Art der Rache häufig gegen Frauen angewendet, dann wenn ein verschmähter Ehemann, oder Liebhaber mit der Zurückweisung nicht zurecht kommt und Gewalt gegenüber der - eigentlich - geliebten Frau anwendet. Es geht aber auch kleiner, denn Mobbing ist eine häufige Form des Neids, ebenso wie üble Nachrede, oder die Arbeit eines anderen zu ruinieren und ihn/sie damit zu diskreditieren.

Steht man einem solch destruktiven Neider gegenüber, sollte man wachsam sein und Maßnahmen zum eigenen Schutz ergreifen. Dazu später mehr.

Eher trifft uns allerdings der ganz alltägliche Neid, der aus einem eigenen Mangel entsteht. Sind wir ein Mensch, der das Skifahren nicht mag und weißen Winterlandschaften wenig abgewinnen kann, werden wir uns aufrichtig für die Kollegin freuen, die von ihrem tollen Skiurlaub erzählt. Uns wird das nicht neidisch machen, denn es ist nichts was uns fehlt. Fahren wir selber gerne Ski, können uns einen Urlaub aber im Augenblick nicht leisten, könnte uns ein kleiner, neidischer Stich in den Magen treffen. Je nach Intensität kann er zu dem anfangs genannten Phänomen führen und uns für einen Moment aus dem Tritt bringen. Sind wir ein gut erzogener, netter Mensch, wird man uns dieses Gefühl nicht anmerken, doch wir werden uns schnell aus der Unterhaltung zurückziehen.


Es gibt auch eine positive From des Neids. Erzählt uns ein Freund von seinem wunderbaren Yoga-/Foto-/Koch-Seminar in Italien und wir denken spontan: Verdammt, das würde ich auch mal gerne machen, dann kann dieser Neid zum Motor für unsere eigenen Aktivitäten und unsere eigene Entwicklung werden. Vielleicht setzen wir uns sofort an den PC und googeln entsprechende Seminare, oder wir überlegen, welche Art der Fortbildung uns gut gefallen würde und werden aktiv. Dieser konstruktive Neid ist gut für uns. Er rüttelt uns wach und bringt uns in Bewegung. Ohne dieses Gefühl des Mangels, das uns dann und wann überfällt, wäre keine Entwicklung, keine Erfindung möglich. Diesen Neid sollten wir nicht verachten, denn er kann uns sehr weit bringen.


Eine gemeine Art des Neids ist der destruktive Neid. Er trifft den Neider genauso hart wie den Neidgebenden. Wie funktioniert dieser Neid und wieso trifft er beide Seiten?

Ein Beispiel: Eine Person trifft eine alte Freundin. Man hat sich lange nicht gesehen, es gibt viel zu erzählen. Die Freundin berichtet stolz von ihrer Ausbildung und bestandenen Prüfung zur Personal Trainerin. Zwei lange Jahre hat sie fast ihre gesamte Freizeit für dieses Ziel geopfert, viel Geld und Herzblut investiert, auf Urlaube und viele Aktivitäten mit Freunden verzichtet. Nun ist sie endlich am Ziel und hofft bald ihren langweiligen Brotjob gegen eine erfolgreiche Selbstständigkeit eintauschen zu können.

Die zuhörende Person empfindet die Schilderungen der Freundin als einen Tritt in den Magen. So gerne würde er/sie selber etwas neues wagen, den ungeliebten Job hinter sich lassen und aus eigener Kraft eine Leistung bringen, die sie/ihn mit Stolz erfüllt und für Bewunderung sorgt. Leider mangelt es sowohl an einer Idee, als auch am eigenen Antrieb. Hier könnte der Neid sich jetzt in Motivation umwandeln, was er in diesem Fall leider nicht macht.

Der Neider gibt dagegen sein schlechtes Gefühl an den Neidgeber zurück. Die bekannteste Möglichkeit dazu - und die kennen wir alle - ist es möglichst viele negative Aspekte am Vorhaben der Freundin zu finden. Der Neider fragt, ob das Risiko nicht zu groß sei, woher sie das Geld nehmen will und weist darauf hin, dass es doch wirklich schon genug Personal Trainer in der Stadt gibt. Der Neidgeber, die Freundin wird sich über soviel negativen Input ärgern, kann das Manöver aber leicht durchschauen. Trotzdem ist ihre Laune wahrscheinlich dahin und der Neider hat etwas von seinem schlechten Gefühl an sie abgegeben.

Die böseste Form des destruktiven Neids, die den Neidgeber sehr tief treffen kann, ohne das sie/er genau weiß, warum es ihr/ihm plötzlich so schlecht geht liegt in der Ignoranz. Die Freundin erzählt von ihrem harten Weg, den Schwierigkeiten und Entbehrungen und von ihrer Freude über das Erreichte. Natürlich erwartet sie Lob und Zuspruch, zumindest etwas Interesse. Es geht ihr nicht darum den ganzen Abend nur über sich zu sprechen und sie interessiert sich auch sehr für alles was ihr Gesprächspartner gemacht und erlebt hat, doch er hat sie ja gefragt und sie hat bereitwillig geantwortet. Leider gibt es für sie weder Lob noch Anerkennung. Der Neider ignoriert ihre Geschichte und wechselt, ohne mit einem Wort auf das Gesagte einzugehen, zu eigenen Themen.

Diese Ignoranz trifft den Neidgeber härter, als offene Feindschaft oder Missbilligung. Vieles geht ihr durch den Kopf. Hat sie etwas falsches gesagt? Kam sie als Angeberin rüber? Findet ihr Gegenüber ihre Pläne so schwachsinnig, dass er nichts dazu sagen mag um sie nicht zu verletzen? Warum konnte er sich nicht mit ihr freuen?

Mit allen diesen Fragen stellt sie sich selber in die Kritik. Denkt, dass der Fehler bei ihr liegt und wird vielleicht schlecht schlafen weil sie die Gedanken an das Gespräch nicht los lassen. Auf jeden Fall behält der Abend im Rückblick einen faden Nachgeschmack und sie wird, im schlimmsten Fall, darüber nachdenken, ob sie wirklich die richtige Entscheidung getroffen hat. Dabei trifft sie keine Schuld. Der Neider hätte sich lieber die Zunge abgebissen als noch eine Sekunde länger bei einem Thema zu bleiben, das ihn selber so quält.


Wie kann man sich vor dem eigenen Neid schützen?

Was den eigenen Neid betrifft, haben es Personen mit einer genetischen, bzw. charakterlichen Disposition zu Neid schwerer als andere. Eine charakterliche Disposition (Episodischer Neid) findet seinen Ursprung meistens in der Kindheit, ausgelöst durch empfundenen Mangel und Zurückweisung. Es gibt aber auch eine Genmutation, dispositioneller Neid (ADRA2b Todd/Müller/Lee/Robertson/Eaton/Freeman/Palombo & Levine (2013), S. 2244ff)* genannt. Diese Menschen legen von Natur aus mehr Aufmerksamkeit auf negative Aspekte. Diese Ausprägungen sind von Kultur zu Kultur unterschiedlich. So treten sie bei 50% aller Kanadier auf, aber nur bei 10% aller Ruander**. Aber auch diese Menschen sind ihrem Neid nicht hilflos ausgeliefert.

Vor dem eigenen Neid, der einen dann und wann befällt, kann man sich nicht schützen, man kann ihn aber in etwas Gutes, in konstruktiven Neid verwandeln. Es ist bereits viel gewonnen, wenn man den eigenen Neid erkennt. Hat man ihn erkannt, sollte man generös sein, sich mit dem Neidgeber freuen, ihn/sie loben um sich zu einem späteren Zeitpunkt in Ruhe mit dem eigenen Gefühl zu befassen. Hierbei helfen Fragen:


Warum war ich gerade so neidisch?

Was fehlt mir, dass mir dieser Erfolg/Besitz des anderen so weh tut?

Was kann ich selber dagegen tun? Wie kann ich diesen Mangel ausgleichen?

Werde ich vielleicht auch für etwas beneidet? Wo liegen meine Stärken?


Stellt man sich diese Fragen, wird es einem sehr schnell besser gehen und im besten Fall wird man sein Neidgefühl nicht mehr nachvollziehen können. Vielleicht lösen diese Fragen auch einen Motivationsschub aus, was ebenfalls wünschenswert wäre.


Wie kann man sich vor dem Neid der anderen schützen?

Die größte Hürde liegt darin den Neid eines anderen zu erkennen, da wir häufig den Fehler bei uns suchen, wenn es in einer Kommunikation, oder Zusammenarbeit nicht rund läuft. Hat man den Neid erkannt, kann man versuchen den Neid des Neiders zu mindern. Zum einen, in dem man sich, ohne Überheblichkeit, auf seine Ebene begibt, ihm Wertschätzung entgegen bringt und ihm zeigt, dass man nichts Besseres ist, sondern nur anders.

Nehmen wir an, der Chef hat in einem Meeting Ihr Projekt gelobt und das eines anderen Kollegen/in abgetan. Sie spüren den Neid des Kollegen/in, wollen aber weiterhin ein gutes Verhältnis zu ihm haben. Sie könnten den Kollegen auf sein Projekt ansprechen und loben, seine Stärken hervor heben und ihn evtl. um Hilfe bei ihrem eigenen Projekt, oder um einen persönlichen Rat bitten. Geht der Kollege/in darauf ein, kann der Neid damit sehr stark eingedämmt werden.

Sehen Sie sich zu einem solchen Verhalten außer Stande, oder geht der Kollege/in nicht darauf ein, bleibt ihn nur die Möglichkeit zur höflichen und freundlichen Distanz.

Anders verhält es sich, wenn Sie Grund zu der Annahme haben, dass ein Kollege/in ihnen aktiv schadet, z.B. Unterlagen manipuliert, oder verschwinden läßt, Sachverhalte verdreht, Termine nicht einhält, schlecht über sie redet. Dann hilft es, über einen Zeitraum von Tagen, oder Wochen Protokoll über das seltsame Verhalten zu führen und Beweise für den eigenen Verdacht zu finden, um weiteren Schaden abwenden zu können.


Nicht alle sind Neider?

Manchmal wundert man sich, warum sich eine Person von einem zurückzieht, plötzlich keine Zeit mehr hat und Ausreden findet, wenn man sich verabreden möchte. Da einen dieses Verhalten verletzt und man es sich nicht erklären kann, kommt man vielleicht auf den Gedanken, die Person könnte neidisch auf einen sein.

Es kann aber auch sein, dass Sie in dem Bestreben dieser Person zu gefallen, oder sie zu beeindrucken, etwas zu sehr auf den Putz gehauen haben. Vielleicht erzählten Sie bei ihrem letzten Gespräch nur von sich und hörten nicht zu? Ein solches Verhalten mag keiner gerne. Wenn ihnen was an der Person liegt, sprechen Sie sie darauf an und sagen sie ihr, dass es ihnen leid tut, falls sie beim letzten mal zuviel über sich geredet hätten, sie sich wirklich gerne weiter mit ihr treffen würden und in Zukunft besser zuhören würden. Soviel Offenheit kann Wunder wirken.



*Quelle: https://www.e-fellows.net/Studium/Studienwissen/Studium-aktuell/10-Tipps-fuer-den-Umgang-mit-Neidern/%28page%29/all

**Quelle: http://uni-lueneburg.de/personal_fuehrung/index.php/Neid

10 Ansichten